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Wunderhände für Weltmeister-Waden PDF

Macro Congia aus Paderborn fährt als Physiotherapeut zu den Leichtathletik-Titelkämpfen

Von Hubertus Hartmann (Text) und Wolfram Brucks (Foto)

Paderborn (WV). Marco Congia weiß, wie Sportler ticken. Und seine Hände können manchmal Wunder bewirken. Spitzenathleten aus aller Welt vertrauen dem Physiotherapeuten aus Paderborn.

Seinen "normalen Job" erledigt Congia im Paderborner St. Vincenz-Krankenhaus. Für sportliche Großereignisse wird er von seinem Arbeitgeber beurlaubt. Denn Congia zählt zu Deutschlands Top-Therapeuten, seine Künste sind gefragt.

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 hat der 32-jährige mit italienischer Abstammung die Italiener betreut - sie warfen Deutschland raus und holten den Titel. Bei der EM vergangenes Jahr sicherten sich Kroatien und Portugal seine Dienste.

Während der Leichtathletik-Weltmeisterschaften vom 15. bis 23. August in Berlin wird Congia Muskeln, Sehnen und Gelenke von Sprintern, Springern oder Kugelstoßern bearbeiten. Der Mann aus der Paderstadt wurde von der International Association of Athletics Federations (IAAF) angeheuert. Gemeinsam mit Sportärzten betreuen etwa 40 hoch qualifizierte Physiotherapeuten aus ganz Deutschland jene Athleten, deren Verbände ohne eigene medizinische Abteilung anreisen. "Das sind etwa 70 Prozent", weiß Vincenz-Geschäftsführer Dr. Josef Düllings.

Er freut sich, einen Sptizenmann wie Marco Congia in seinem Mitarbeiterstab zu haben und unterstützt ihn nach Kräften. "So etwas ist schließlich auch ein Qualitätsausweis" sagt Düllings. Denn viele Therapiemethoden aus dem Sport fließen später in den medizinischen Bereich ein. "Für mich macht es keinen Unterschied, ob ich eine Sportlerwade oder die Wade einer normalen Patientin behandle", betont Congia.

Aber er weiß schon, dass viele Sportstars äußerst sensibel sind: "Die meisten Sportler wollen einen Therapeuten, der selbst aus dem Sport kommt, der weiß, wie es ist täglich sechs und sieben Stunden zu trainieren, um dann für einen Wettkampf auf den Punkt fit zu sein". Congia hat als Triathlet selbst viele Jahre Leistungssport betrieben, bevor eine Verletzung seine Karriere stoppte. er kann sich deshalb gut in die Situation der Aktiven hineinversetzen. "Jedes Zipperlein kann einen da aus dem Rhytmus bringen. da ist viel Psychologie im Spiel", erklärt der Fitmacher.

Im mehrjährigen Zusatzausbildungen hat er sich zum Manualtherapeuten und Osteopathen weitergebildet. Mit dem Sportmediziner Casten Dick betreibt er die Firma "Leistungssport.com" und arbeitet mit mehreren Bundesligavereinen zusammen. Das Programm umfasst physiotherapeutische Behandlung, Laktatmessung, Athletiktraining, medizinisches Krafttraining, Sportrehabilitation oder auch videogestützte Bewegungsanalyse. Namen mag Marco Congia nicht nennen. Denn bei seinen Patienten handelt es sich oft um Problemfälle. "Und da sind Vereine sehr zurückhaltend." Wen er bei der Leichtathletik-WM betreuen wird, weiß der Paderborner derzeit noch nicht. Aber vielleicht macht er ja einen heute noch nahezu unbekannten Afrikaner zum Weltmeister über 10 000 Meter.

Seinen eigenen Anteil am WM-Titel der Italiener vor drei Jahren, wo er die Torhüter und Verteidiger fit macht, beziffert Congia bescheiden mit "absolut null". "Die wären auch ohne mich Weltmeister geworden", schmunzelt er.

 

Schnelle Hilfe: Wenn's zwackt, lassen sich auch gerne mal die Kolleginnen und Kollegen aus der Physiotherapie des St. Vincenz-Krankenhauses von Marco Congia behandeln. Mareike Wördekemper fehlt allerdings nichts. Sie legte sich nur fürs Foto auf die Pritsche.